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________________________________________________--------------------------------------------------------------------------Texte von David:
Interaktives Kabbala im Chakra des Todes
Samstag morgen im Licht & Schatten (sic!) Esoterikshop in der Kölner Innenstadt. Eine wabernde, urkosmische Gongmusik, nur unterbrochen von knapp über der Hörschwelle liegendem Indianerbrummen, lag in der Luft. Vermutlich aus der genialen Feder Michael Cretus stammend war diese Musik in ihrer transzendenten Vollkommenheit fast schon enigmatisch, ja beinahe änigmatisch-kryptisch. In bunte Baumwollfetzen gekleidete, behornbrillte Naturkinder, sichselbstbewußtwerdende Hausfrauen, gewagt gekämmte Religions- und Philosophiekursleiter, 34-köpfige klipperklappernde Kinderscharen, streng schauende, die Stirn im vom Tabak-, Duftkerzen- und Aromatherapiemissbrauch zerfurchten Gesicht in weltfremde Krausen legende Jugendheimleiter, eine Horde Pykniker und Leptosomen, drei in gelbes Tuch gehüllte buddhistische Mönche, die Kelly-Family, einige fundamentale syrische Numerologen, Winnetou und ein trunkener Nichtsesshafter bevölkerten das Ladenlokal.
Ich bahnte mir meinen Weg durch behämmert aufgehängte Windspiele und lebensgefährlich hervorstehende Indianerspeere, dabei heimtückisch geblendet von einem spiegelscheibengespickten Polyamidkleid. Fast stolperte ich über einen Glaskasten mit Totenkopfbroschen und Liebesamuletten, da klingelt mein Handy...
Sofort ereiferte sich ein emotives selbstgewebtes Hanfbürschchen mit einem Fingerzeig auf das durchgestrichene rote Plüschhandy, welches an der Ladendecke baumelte und schüttelte in einer Mischung aus Empörung und mildtätigem Bedauern den Kopf.
Jetzt reichte es aber, was schickte sich den dieses bemitleidenswerte, ewig im Amalgam aus Trivialkultur und missverstandenen Weltreligionen sinnfischende Weichei an ?
„Du mit deinen dämlichen Chakras und Auren !“, herrschte ich ihn an, „Glaubst du den du erbärmliche Kreatur hättest das Recht dich in deiner halbverstandenen Mischung aus Kulturpessimismus und Naturreligion über einen „Sklaven der Zivilisation“ zu ereifern ? Du kommst hier in den Laden um in diesem sinnfreien, säkularem Sammelsurium von Indianereichenholzfurnier, Inkaschrott, selbstgewirkten Hängematten, Glücksamuletten, Yogi-Tees, Horoskop-Büchern, Tarock-Karten, chinesischen Plastikvasen und Räucherstäbchen deine ach-so-freie Natur, dein „wahres Wesen“ zu kaufen.... Nichts hast du verstanden, NICHTS, da entwickeln sich ganze Kulturen und gehen mehr oder minder berechtigt zu Grunde, hinterlassen ein nur in den Wahnideen konspirativer Historiker vorhandenes Kulturgut, das von taiwanesischen Plastikfirmen und Schwarzwälder Kuckucksuhrenbauern zufällig entdeckt und nachgebaut wird, und DU hast nichts besseres zu tun, als hier reinzurennen und die Authentizität zu kaufen, die DU dir selber nicht geben kannst.“
Inzwischen hatte sich der restliche Inhalt des Esoschuppens zusammengerottet, um meinen Vortrag mit „Aaaaahs“ und „Ooooohs“ zu untermalen.
„Ja, ihr alle hier im Laden seit gemeint, ihr glaubt dem vermeintlichem Werteverfall der Gesellschaft dadurch zu entgehen, das ihr hier in einen Laden rennt und Totems, Symbole und Nachttöpfe ominöser Religionen und Kulte ersteht, die ihr dann in euren vernebelten Köpfen zu einer „wahrhaftigen“ Lebensweise vermatschen könnt. Kulte und Religionen die z.T. nie existiert haben, und wenn doch, sich einen Dreck um die Bedürfnisse übersättigter, unaufgeklärter abendländischer Mittelständler geschert haben dürften oder gleich in den geldbesessenen Hirnen schmieriger NewAge-Aposteln entstanden sind. Aposteln die als Junior Executives von Nike den bei der Herstellung von Turnschuhen anfallenden Sud zu YogiBär-Tee fermentieren.
Ihr seid schon ein komisches Völkchen, wenn ein Mensch namens Turing oder Hertz erscheinen, euch ein bunt angemaltes Stück Plastik mit Buddhaaufdruck in die Hand drücken würde und euch erzählte ihr könntet mit euren Freunde reden, ohne dass sie in der Nähe sind, ihr würdet ihn als Gott verehren und eure unterwürfigen Ansichten über ihn in der Gestalttanzgruppe austauschen. Euch fällt doch nicht mal auf, dass eure Meditationsmusik,
trauriger Bastard aus wohl mal ernst gemeinten Meditationsklängen und den Bemühungen früher Elektronikkomponisten und somit ein gar finsteres Kapitel der menschlichen Klangproduktion, mit den gleichen IC-Schaltkreisen erschaffen wird, die auch in meinem „Teufelstelephon“ stecken...
Aurafotografie, Chakren, Ufos, indianisches Urbewusstsein, zweite Gesichter, Superman, Seelenwanderung, Tarokartenlegen, blonde urwüchsige Herrenaliens vom Planeten Aldebaran, Benjamin Blümchen, die kindliche Kaiserin, Godzilla und das Incredible Giant Crab Sandwich in euren Köpfen zerschwurbelt doch alles zu einem postmodernen Kollektivorgasmus, bei dem es schließlich egal ist, wer in welcher Scheinwelt lebt, und WER mal WAS gemeint haben könnte als er sagte : „Die Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ Und die wiederum ist das Unvermögen sich des eigenen Verstandes ohne Leitung anderer zu bedienen. In eurem Fall der von Psychoschmuhs, selbsternannten Propheten, Meistern, Schahs, Energiewesen, Swamis und Illuminati Primi, aber auch Glücksrevue-Horoskopschreibern, gescheiterten Philosophiestudenten, pleitegegangener Skatkartendruckverlagen, ja eigentlich jedem der fähig ist ein Stück Papier bunt zu bedrucken.
Ach, sie wollten nur einen Totenkopfohrring kaufen? Dann gehen sie doch besser zu Karstadt....“
Texte von Lara Sophie Milagro:
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(bald mehr)
Texte von Robin van den Bergh:
So unentspannt und unausgeglichen wie momentan, war ich schon lange nicht mehr. Was ist da nahe liegender, als sich mal einer Yogastunde zu unterwerfen, sich wieder in ganzheitlichen Gleichklang zu bringen. Körper, Geist und Seele und seine innere Ruhe und Mitte wieder finden.
Ich muss unbedingt was tun, mein Nervenkostüm ist so unglaublich dünn zurzeit. Zuviel Arbeit, zuviel Stress, viele Sorgen.
Gleich mal anmelden und rein da in dieses riesige Fitness Center und eine meditative Stunde Yoga genießen.
Hier noch eine hübsche Schaummatte ausleihen, liegen da ja so schön auf einem Haufen und nichts wie rein, in den Saal.
Wow, riecht das Dingen würzig. Igitt, da fällt man ja gleich in Trance.
Ein junger Bursche stellt sich vor und heißt die zahlreiche Gruppe willkommen.
Na, der sieht mir aber nicht nach einem ausgebildeten Lehrmeister aus und die Stimme ist auch noch so dünn und wackelig. Wie dem auch sei, ich bin dein junger Padawan und tue was du mir sagst: Ich atme. Ommm.
„Ein und aus. Wieder ein und wieder auuusss. Linkes Nasenloch ein, rechtes Nasenloch auuusss. Linkes Nasenloch ein und rechtes Nasenloch wieder auuusss.“ Hm, merkwürdig, aber nun gut.
Nach einer halben Ewigkeit bewegen wir uns dann doch. Beugen uns vor und zurück, liegen mit der Stirn auf den Boden: Cobra, Hund, Bogen…
Also diese Matte hat garantiert schon ein Eigenleben. Ist ja furchtbar. Bin mal gespannt, welche Art Schwamm morgen auf meiner Stirn wächst. Hoffentlich ist er wenigstens Grün und spricht.
„Wir atmen ein und wieder auuusss. Gehen tief in uns und spazieren durch einen Garten und gehen auf eine Brücke zu, auf welcher wir verweilen und spüren unsere Chakras.“
Was redet der da? Chakra? Gleich mal nachfühlen … ja wo isses denn? Seltsam verbogen verharre ich in einer unbequemen Haltung und lausche ganz tief in mich rein. Ah da, ich glaube meine Faust ballt sich zu einem Chakra-Energiezentrum, oh ja. Ommm.
Oh Mann, Meditation ist nichts für mich. Ich muss rennen, singen und springen, wie ein junges Fohlen, sonst werde ich irre. Und dann das Gequassel von ObiWan da vorne. Der macht mich total aggressiv. Klingt wie ein Prediger bei der Sonntagsmesse, in der man als Kind immer eingeschlafen ist.
„Wir spüren unsere Füße und sind: e n t s p a n n t.
Wir spüren unsere Waden und sind: e n t s p a n n t.
Wir spüren unsere Schenkel und sind: e n t s p a n n t.
Wir spüren unsern Nabel und sind: … “
Entspannt? Jaja, nur mein Kiefer verkrampft gerade. Ich glaube, ich schäume gleich über. Dieses Verharren macht mich ganz gaga. Ich dachte, beim Yoga bewegt man sich mehr und irgendwie fließender. Ob ich meinen freaky Gesichts-Schwamm auch kultivieren kann? Vielleicht ist er ganz neuartig und patentfähig.
„... und wir stehen auf der Brücke, und unter uns ist ein Fluss …“
Soso. Brücke, Fluss, moment, was? Wohin jetzt mit dem linken Bein? Ah ja, nach hintern und über die rechte Schulter. Verstehe. Wusste gar nicht, dass das möglich ist, na von mir aus. Mein Rückgrat bricht gerade in zwei, aua, passt schon. Wenn ich hier raus bin, bin ich sicherlich querschnittsgelähmt, aber okay. Ich schaue also in meinen Fluss. Ommm.
„… und in diesem Fluss, sehen wir unsere Gedanken. Sie treiben dahin und wir beobachten, wie sie sich von uns lösen. Und wir atmen ein und atmen aus.“
Ich blickte auf mein trübes dahin fliessendes Problemdelta und überlegte mir: Ich sollte einen Staudamm bauen und diesen Fluss einfach trocken legen. Das isses!
Puh, was für ein Glück. 21 Jahre klassisches Ballett sind nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Mensch, ist schon ein Ding, wenn der blutige Yoga-Anfänger die Übungen akkurater hinbekommt, als der Lehrmeister. Wer isn das überhaupt? Sicherlich ein armer Student von der SpoHo, der sich hier mit dieser halbgaren Vorstellung sein Taschengeld aufbessert. Pah, ich mach dir den Schwan, ich mach dir den Skorpion, den Baum, die Elfe ich atme, ich fliege!
„Wir spüren unsere Arme und sind: e n t s p a n n t.
Wir spüren unseren Nacken und sind: e n t s p a n n t.
Wir spüren unsere Augen und sind: e n t s p a n n t.
Wir spüren unser Nase und sind: … “
Entspannt? Gott schade, dass ich deiner Nase mein vorbildliches Chakra in meiner Rechten gerade nicht vorstellen darf, dann wäre sie jetzt zumindest schön ... hihi. Schon wieder solange verharren? Ich dachte, beim Yoga bewegt man sich mehr und vor allem fließ...
Oh oh Tauge, was passiert da gerade? Bekommst du etwa Wutpocken? Ich stand auf einem Bein, wie ein Flamingo im Zeichen des Baumes, war gerade tief in mir am kämpfen, einen sich anbahnenden Wutausbruch zu unterdrücken indem ich mich zu beruhigen versuchte: "Taugi, du bist ruhig wie ein Zenbuddhist. Du bist ruhig wie ein Zenbuddhist." Ommm.
Nix transzendentaler Urklang. Taugenichtse ist explodiert, grün angelaufen und nahm reiß aus. Getrieben von katatklysmischer Urgewalt bin ich mit einem Satz durch die Backsteinwand gesprungen und hinterließ nichts, als eine Staubwolke die durch die bleibende Silhouette in der Mauer puffte.
Ommm.
(bald mehr)